
- Anne Koark - Inge Kracht
»Meine Mama ist beruflich pleite und damit hilft sie vielen Menschen«. Besser als Jeremy es seiner Lehrerin vor der Klasse stolz erklärte, lässt es sich kaum ausdrücken. Anne Koark, alleinerziehende Mutter von Robin (14) und Jeremy (13), firmiert – so steht es dick und fett auf ihrer Visitenkarte – als »Pleitier« und dies inzwischen aus Berufung.
»Ein Privatier hat sehr viel Zeit, ein Bankier viel Geld und ein Pleitier hat einen Schatz an Erfahrung«, sagt die 46-Jährige mit einem strahlenden Lächeln. Aus diesem Schatz schöpft Anne Koark mit vollen Händen bei ihrem unermüdlichen Engagement für Menschen, die sich vor drohenden Insolvenzverfahren oder schon mitten drin befinden.
»Ich habe nie soviel Erfolg gehabt, wie jetzt mit meinem Misserfolg«, sagt die sympathische Unternehmerin in Sachen: "Insolvent und trotzdem erfolgreich". So der Titel ihres Bestsellers, der seine Autorin über Presse, Radio und Fernsehauftritte aus dem gesellschaftlichen Off in die Öffentlichkeit katapultierte. Das ehrlich und mit viel Humor geschriebene Tagebuch ihres eigenen Scheiterns wurde damit zum Sprungbrett ihres gesellschaftspolitischen Einsatzes als inzwischen anerkannte Expertin des Themas: Insolvenz. »Ich konnte meine Pleite als Chance nehmen, endlich das zu tun, was mich wirklich interessiert«, erklärt sie heute, ein gutes Jahr vor Beendigung ihres sechsjährigen Insolvenzverfahrens. Trotzdem: Das im Jahr 2003, nach erbittertem Kampf, endgültige Scheitern ihres 1999 gegründeten, international hoch gelobten, 2001 mit einem Existenzgründerpreis ausgezeichneten Unternehmens »Trust in Business«, war auch für Anne Koark ein traumatisches Erlebnis.
Unternehmen perdu, Geld, Auto, Altersvorsorge, Eigentumswohnung gepfändet, Konten gesperrt, Schufa-Eintrag. Oh du lieber Augustin, da war nicht nur alles weg, sondern auch jede Chance eines Neubeginns schien ihr verwehrt. Niemand wollte sie einstellen. Jede Form der Kreditwürdigkeit war verloren. Noch bis Juli 2009 werden ihre Einkünfte gepfändet, lebt sie mit ihren beiden Kindern am Existenzminimum.
»Ich bin Expertin fürs wieder Aufstehen«.
Im Unterschied zu den meisten ihrer Leidensgenossen aber, ist die seit 23 Jahren in Deutschland lebende, gebürtige Engländerin daran gewöhnt zu kämpfen. »Ich bin ein Stehaufmännchen, im wahrsten Sinne des Wortes«, erzählt sie von dem Asthma bronchiale ihrer Kindheit und mehreren schweren Unfällen, die ihre persönliche Widerstandskraft, den Willen zum Widerstand, zum Aufstehen und Weitermachen stärkten. »Gescheitert ist ein Unternehmer nicht wenn er fällt sondern erst wenn er liegen bleibt«, weiß sie. Neben dem Humor ist Anne Koarks größte Kraftressource die Einbettung in den Kreis ihrer Freunde. »Ich musste erst lernen, dass Nehmen genau so wichtig ist wie Geben«, sagt sie mit einem kleinen Lächeln.
Mit Vorträgen und Informationsveranstaltungen kämpft Anne Koark gegen die Stigmatisierung der Insolvenz in Deutschland, um Mut zu machen und um ein Tabu aufzuweichen, welches die deutsche Wirtschaft und die Wirtschaft anderer Länder schwächt. Vielen Betroffenen aber ist sie am Nottelefon des B.I.G. – Bleib im Geschäft e.V. als einfühlsame, mit Rat und Tat initiative »Insolvenzlady« bekannt. Ihr Buch »Insolvent- und trotzdem erfolgreich« endet mit den Worten »Es geht immer weiter!« ?
Anne Koark, im Mai 1963 im englischen Barking geboren, studierte Germanistik und Italienisch. 1983 arbeitete sie als Sprachassistentin in Cochem an der Mosel. 1985 vervollständigte sie ihre Ausbildung mit einem Prädikatsexamen als Wirtschaftsprüferin. Seit 1988 lebt Anne Koark in München, wo sie zunächst für einen Computerhersteller arbeitet, dessen Liquidierung sie 1991 durchführt. 1994 und 1996 kommen Robin und Jeremy zur Welt.
• 1999 gründet sie ihre eigene Firma.
• März 2001: Existenzgründerpreis der Internetzeitschrift www.breakeven.de für ihr Unternehmen »Trust in Business«
• 2003: Insolvenz
• Oktober 2003: Erscheinung ihres Buches: "Insolvent und trotzdem erfolgreich"
• Oktober 2004: Gewinnerin des Lady Business Awards 2004 der Cecilia Media in Berlin
• Oktober 2005 erhält sie den bundesweiten Sonderpreis beim Grossen Preis des Mittelstands für die Entstigmatisierung der Insolvenz und Begünstigung der zweiten Chance in Deutschland
